FDP: „Öffentlicher Nahverkehr ist nicht metropolenfähig“

Kluge Stadtentwicklung28. April 2017

Gemeinsame Kraftanstrengung zum Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs in Offenbach und Region gefordert

Nach Auffassung der Offenbacher Freien Demokraten ist die Verkehrsinfrastruktur der Rhein-Main-Region nicht in der Lage, das Bevölkerungswachstum aufzunehmen.  FDP-Fraktionsvorsitzender Oliver Stirböck verweist auf Prognosen der Hessen Agentur, wonach im Regierungsbezirk Darmstadt bis 2030 rund 280.000 Menschen mehr leben werden als jetzt. „Das ist immerhin ein Wachstum der Region um mehr als die doppelte Größe der Stadt Offenbach“, meint der Freidemokrat. So sehr die Zuzüge eine Chance etwa für die Offenbacher Stadtreparatur seien, so bildeten sie eine Herausforderung für die Verkehrspolitik. Denn weder die Straßeninfrastruktur noch der Öffentliche Nahverkehr seien auf dieses Wachstum ausgelegt. Zumal sich das Wachstum in Südhessen sehr stark auf das Zentrum der Region konzentriere, also den Metropolenkern, den die Städte Frankfurt und Offenbach bildeten. Stirböck sieht dabei den Verkehrsträger Straße zunehmend an seinen natürlichen Grenzen. Dies sei eine Chance für den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV). „Der öffentliche Nahverkehr ist aber nicht metropolenfähig und hinkt dem Angebot vergleichbaren Lebensräume hinterher“, beklagt der Freidemokrat. Stirböck fordert daher eine gemeinsame Kraftanstrengung von Land, Region und Kommunen, den öffentlichen Nahverkehr im Kern der Region auszubauen, aber auch das Umland besser anzuschließen. „Damit die Region nicht nur wächst, sondern zusammenwächst“, so Stirböck. Dazu gehörten auch die viel diskutierten Verlängerungen von U-Bahn-Linien und die S-Bahn-Regionaltangente West. Aus Offenbacher Sicht sei aber besonders die S-Bahn-Südtangente vom Frankfurter Flughafen, über den Offenbacher Hauptbahnhof, gegebenenfalls sogar über den Offenbacher Landkreis hinaus von Bedeutung. Vor dem Hintergrund der immer stärkeren Verknüpfung der Städte Frankfurt Offenbach sei zudem die vor über 20 Jahren gegen den Widerstand auch der Freien Demokraten vorgenommene Stilllegung des Offenbacher Teilstücks der Linie 16 „wenig weitsichtig“ gewesen. Stirböck fordert, auch im Interesse des Offenbacher Einzelhandels, zu prüfen, wie eine direkte Verbindung zwischen Oberrad und der Offenbacher Innenstadt hergestellt werden kann – etwa durch eine durchgehende Buslinie. Der Freidemokrat erinnert daran, dass im Rahmen der von den Städten Offenbach und Frankfurt begrüßten Studie „Stadtraum ohne Grenzen“ sogar die Revitalisierung der Straßenbahnlinie in Offenbach bis zur Kaiserstraße vorgeschlagen bzw. ihre Verlängerung bis nach Fechenheim diskutiert worden sei. Auch an die Tarifstruktur müsse Hand angelegt werden: Wenn Frankfurt und Offenbach sich immer weiter verzahnten, dann müsse sich dies zwangsläufig auch auf die Tarifstruktur des RMV auswirken, denn das derzeitige Wabensystem und die im regionalen Vergleich überhöhten Fahrpreise schreckten ab.